Presseaussendung: Forderung nach Genderfokus bei UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft

Presseaussendung vom 27. Oktober 2003: Informationsfachfrauen fordern Genderfokus bei Genfer UN-Konferenz zur Informationsgesellschaft

Am letzten Wochenende trafen unter dem Motto „Fraueninformation zwischen Bewahrung kulturellen Erbes und Anforderungen der digitalen Informationsgesellschaft“ Fachfrauen aus deutschsprachigen feministischen Informations- und Dokumentationseinrichtungen zur 38. Fachtagung in Wien zusammen. Vertreterinnen von rund 30 Einrichtungen diskutierten die Herausforderungen, die die moderne Informationsgesellschaft mit ihren technologischen Möglichkeiten an das frauenspezifische Informationswesen stellt.

Im Hinblick auf den UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS), der im Dezember in Genf stattfindet, wiesen die feministischen Informationsfachfrauen auf die Bedeutung von Information als öffentliches Gut hin, das nicht zu einer privatwirtschaftlich gehandelten Ware werden darf. Das Recht auf Information und Kommunikation ist – wie schon von der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking gefordert – ein Menschenrecht auch und besonders für Frauen, das es zu verteidigen und in vielen Ländern auch erst zu erkämpfen gilt. Die Tagungsteilnehmerinnen kritisierten die rein technische Ausrichtung des WSIS und forderten einen Genderfokus bei allen Themenbereichen dieser wichtigen Konferenz. In Österreich war es der Verein frida, der im Zuge der österreichischen WSIS-Vorbereitungskonferenz bemüht war, Genderaspekte ins Programm hinein zu reklamieren.

Fraueninformationseinrichtungen in aller Welt sind Mittlerinnen zwischen den Informationsreichen und den Informationsarmen, sie unterstützen den Zugang von Frauen zu dieser wichtigen Ressource zur Verbesserung der Lebensbedingungen und fördern damit das Empowerment von Frauen. Eine Gesellschaft, die Frauen als Quelle, Produzentinnen und Nutzerinnen von Information ausschließt und die geschlechtsspezifische Diskriminierung ausblendet, hat nicht das Recht, sich als Informationsgesellschaft zu bezeichnen.
Den Chancen der Technik stehen die tristen finanziellen Rahmenbedingungen gegenüber, die sich durch die gegenwärtige Sparpolitik im Bildungssektor wie im frauenpolitischen Sektor verschärfen. In den vergangenen Jahren mußten viele Fraueninformationsstellen im deutschsprachigen Raum trotz steigender Nachfrage wegen öffentlicher Mittelkürzung schließen, viel gesellschaftspolitisch wichtige Information sind so bereits verloren gegangen. Frauenbibliotheken müssen sich heute entscheiden, ob sie die ohnehin geringen Gelder in die Technik oder die inhaltliche Arbeit investieren – und das in einem Arbeitsbereich, der beides gleichermaßen benötigt.

Frauenarchive und -bibliotheken haben seit den Siebzigern eine wichtige Stellung in der Neuen Frauenbewegung, sie fungieren einerseits als „Gedächtnis der Bewegung“ und dokumentieren die bis heute mühsamen Schritte zur Erlangung umfassender Frauenrechte. Andererseits bieten sie Grundlagen für Forschungs-, Bildungs- und Informationsarbeit und leisten so einen Beitrag zu Gleichstellungspolitik und Menschenrechten. Organisiert wurde die Tagung von den Wiener Einrichtungen STICHWORT und Frauensolidarität im Auftrag von frida, der Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich. STICHWORT, Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung feierte in diesen Tagen bereits sein 20jähriges Bestehen.