Treffen der deutschsprachigen Lesben/Frauenarchive und -bibliotheken, Wien 2003

38. Treffen der deutschsprachigen Lesben/Frauenarchive und -bibliotheken am 24.—26. Oktober 2003 in Wien: „Fraueninformation zwischen Bewahrung kulturellen Erbes und Anforderungen der digitalen Informationsgesellschaft“

Veranstaltet von frida in Kooperation mit: i.d.a. – informieren dokumentieren archivieren, organisiert von Christina Buder (Frauensolidarität) und Margit Hauser (STICHWORT)

Keynote Speakers
Plenumsthemen
Workshopthemen
Rahmen- und Anschlussprogramm
Programmablauf
Abstracts der Arbeitskreise
Abstracts der Vorträge

Themen

Keynote Speakers

  • Der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (Genf 2003) – Herausforderungen und Grenzen für das frauenorientierte Informationswesen aus österreichischer Perspektive im internationalen Vergleich. Informationsvortrag von Christina Buder
  • Digitalisierung von Frauengeschichte – Neue Projekte und Erfahrungen aus den EU-Ländern sowie ein österreichisches Beispiel. Bericht von Christa Bittermann-Wille und Helga Hofmann-Weinberger

Plenumsthemen

  • Projekt ZDB: Die Zeitschriftendaten der deutschsprachigen feministischen IuD-Stellen in der ZDB. Bericht über das laufende Projekt von Silke Mehrwald und Bärbel Mierau
  • Bericht von Karin Aleksander von der Konferenz „Gender and Power in the New Europe, 5th European Feminist Research Conference, 19–24 August 2003, Lund, Schweden“
  • Kurzvortrag über das Fundraisingprojekt „book a book“ von Joëlle Schwinnen

Workshopthemen

Schwerpunktthema 1: Bewahren – Digitalisieren – Sichtbarmachen
  • Elektronisches Archivieren: Aktuelle Problematiken im Licht internationaler Erfahrungen
  • Internationale Kontakte – Energien bündeln für internationales Lobbying (WINE, Athena)
Schwerpunktthema 2: Bedürfnisse erkennen – Angebote sichern
  • Die Zukunft von Frauenarchiven und -bibliotheken – wohin geht die Reise und wer fährt mit?
  • Zielgruppenarbeit – Bedürfnisse benennen, Nutzerinnen gewinnen
  • „Ehrenamtliche“ Mitarbeiterinnen gewinnen, motivieren, integrieren

Rahmen- und Anschlussprogramm

  • Historischer Frauenstadtrundgang: Die feministische Kulturvermittlerin Mag.a Petra Unger eröffnet uns am Sonntag Nachmittag neue Perspektiven auf die Wiener Innenstadt und führt uns auf den Spuren der Frauen Wiens vom Stephansplatz bis zum Maria-Theresien-Platz.
  • „Seitenweise Starke Worte“. 20 Jahre STICHWORT + 20 Jahre an.schläge. Großes Frauenfest mit Kabarett, Live-Musik und Disco am Samstag, 25. 10. 2003 im Szenelokal Orlando, ab 19.30 Uhr. Feiert mit uns!!!
  • Internationale Tagung der Frauensolidarität Women Crossing the Digital Divide, Montag, 27., bis Dienstag, 28. Oktober 2003

Programmablauf

Freitag, 24. Oktober 2003

  • 08.30–10.00 Empfang und Registrierung
  • 10.00–12.30 Eröffnungsplenum
    • Vorstellung der Neuerungen und Projekte in den einzelnen Einrichtungen
    • Kurzbericht über das laufende ZDB-Projekt
  • 12.30–14.00 Mittagessen
  • 14.00–15.00 Digitalisierung von Frauengeschichte – ein neuer Zweig der frauenspezifischen Information und Dokumentation etabliert sich in Europa. Vortrag von Christa Bittermann-Wille & Helga Hofmann-Weinberger (Ariadne/ÖNB, Wien) mit anschließender Diskussion
  • Pause
  • 15.15—18.00 Arbeitskreise I und II
    • AK Elektronisches Archivieren: Aktuelle Problematiken im Licht internationaler Erfahrungen
    • AK „Ehrenamtliche“ Mitarbeiterinnen gewinnen, motivieren, integrieren
  • 18.00–19.00 Abendessen (Auf Wunsch Möglichkeit zur STICHWORT- und Frauensoli-Besichtigung)

Samstag, 25. Oktober 2003

  • 09.00–10.00 Der UNO Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (WSIS), Genf 2003 – Herausforderungen und Grenzen für das frauenorientierte Informationswesen aus österreichischer Perspektive im internationalen Vergleich. Vortrag von Christina Buder (frida und Frauensolidarität, Wien).
  • Anschließend Bericht von Karin Aleksander von der Konferenz „Gender and Power in the New Europe, 5th European Feminist Research Conference, 19–24 August 2003, Lund, Schweden“
  • Pause
  • 10.15–12.45 Arbeitskreise III + IV
    • Internationale Kontakte – Energien bündeln für internationales Lobbying
    • Zielgruppenarbeit – Bedürfnisse benennen, Nutzerinnen gewinnen
  • 13.00–14.00 Mittagessen
  • 14.00-14.30 Fundraisingprojekt „book a book“. Plenums-Kurzvortrag von Joëlle Schwinnen (Cid-femmes, Luxemburg)
  • 14.30–16.30 Arbeitskreis V (im Plenum oder mit spontanem Parallelworkshop)
    • Die Zukunft von Frauenarchiven und -bibliotheken
  • Pause
  • 16.45–18.30 i.d.a.-Sitzung
  • 18.30–19.30 Abendessen
  • Abends: Fest 20 Jahre STICHWORT

Sonntag, 26. Oktober 2003

  • 09.00–11.30 Abschlußplenum
  • 11.30–12.30 Mittagessen
  • 13.30–16.00 Historischer Frauenstadtrundgang

Folgende Arbeitskreise sind nicht zustandegekommen, da die Kontaktfrauen die Vorbereitung nun doch nicht übernehmen konnten:

  • Fundraising als Beitrag zur Existenzsicherung feministischer IuD-Stellen?
  • Die Finanzkrise der Gegenwart

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Abstracts der Arbeitskreise

Arbeitskreis I: Elektronisches Archivieren. Aktuelle Problematiken im Licht internationaler Erfahrungen

Ausgehend von einer Übersicht über den Stand im deutschen Archivwesen zu diesem Thema, bei dem auch ein kurzer Blick über die Grenzen geworfen werden soll, geht es v. a. um folgende Fragen: In welchen Frauen-/Lesbenarchiven, -bibliotheken etc. wird schon in welcher Form elektronisch archiviert, welche Erfahrungen gibt es damit, welche Probleme sind aufgetreten, was sind die technischen Fragen, die geklärt werden müssen, was die rechtlichen Fragen etc. Dazu gehört auch, wie wir damit umgehen, wenn Frauen und Vereine, die uns Material überlassen (Sammlungen, Nachlässe etc.), dies auch in elektronischer Form tun wollen.

Kontakt: Susanne Knoblich, Helene-Lange-Archiv, Berlin

Arbeitskreis II: „Ehrenamtliche“ Mitarbeiterinnen gewinnen, motivieren, integrieren

In Vorbereitung.

Kontakt: Maren Bock, Belladonna, Bremen & Elsbeth Müller, Denk(t)räume, Hamburg

Arbeitskreis III: Internationale Kontakte – Energien bündeln für internationales Lobbying

In dieser AG werden wir über die neuen Aktivitäten des Women Information Networks Europe (WINE) u. a. Organisationen informieren und diskutieren, welchen möglichen Beitrag i.d.a. dabei leisten kann. Außerdem wollen wir auf der Grundlage einer Statistik über die nationalen und internationalen Kontakte unserer i.d.a.-Frauen gemeinsam überlegen, wie wir unsere Öffent-lichkeitsarbeit und Außenwirkung optimieren können. Ideen sind von allen gefragt; auch die, die nicht an der AG teilnehmen, können ihre Ideen per Zettel bei uns einreichen. Vielen Dank!

Kontakt: Karin Aleksander, ZIF, Berlin

Arbeitskreis IV: Zielgruppenorientierte Öffentlichkeitsarbeit

Um unsere Kommunikationsziele zu erreichen und die Kommunikationsinhalte „rüber“ zu bringen, brauchen wir eine möglichst genaue Bestimmung der Personen, Gruppen oder Organisationen mit denen wir kommunizieren wollen. Anhand der definierten Zielgruppen (ZG) können wir festlegen, mit welchen Kommunikationsinstrumenten wir sie erreichen. Mögliche Themen der AG:

Ist-Zustand

  • An welche direkten ZG haben sich die einzelnen Einrichtungen bislang mit welchen Kom-munikationszielen gerichtet? Mit welchem Erfolg?

Zielgruppenbestimmung

  • Für welche ZG eignen sich unsere Angebote?
  • Wie positionieren wir uns bei diesen ZG, was wollen wir vermitteln?
  • Möchten wir unsere ZG erweitern? Welche neuen ZG möchten wir erreichen? Mit welchen Mitteln, mit welcher Sprache? Wie können wir neue Nutzerinnen gewinnen?
  • Welche Multiplikatoren können unsere Angebote verbreiten? Wie erreichen wir sie?

Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit

  • Auf welche Instrumente können wir zurückgreifen um mit möglichst geringem personellem und finanziellem Aufwand auf uns aufmerksam zu machen?
  • Wie können sich die einzelnen Einrichtungen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit gegenseitig unterstützen?

Kontakt: Joëlle Schwinnen, Cid-femmes, Luxemburg

Arbeitskreis V: Die Zukunft von Frauenarchiven und -bibliotheken – wohin geht die Reise und wer fährt mit?

Die Entwicklung von Frauenarchiven und -bibliotheken oder, um die modernere Begrifflichkeit zu benutzen, des feministischen Informations- und Dokumentationswesens, ist unseres Erachtens an einem bedeutsamen Punkt. Einerseits sind wir etabliert, haben an den verschiedenen Orten unseren Platz gefunden und nehmen Einfluss, obwohl rundherum eine „Pause der Frauenbewegung“ konstatiert wird.
Andererseits schließen in erschreckend kürzer werdenden Abständen immer mehr Projekte. Die Gründe dafür sind, soweit ich das beobachten kann, in erster Linie Geldmangel, weil öffentliche Mittel gestrichen werden und in zweiter Linie fehlender Nachwuchs, weil nur wenige junge Frauen bereit und in der Lage sind für wenig oder gar kein Geld zu arbeiten. Bei einigen Einrichtungen lässt sich durch Zusammenlegung (Beispiele Hamburg, Berlin), durch Übernahme (Beispiel Dresden) oder durch Einmotten-und-auf-bessere-Zeiten-warten (Beispiele Bonn, Nürnberg) der Schaden begrenzen, andere verschwinden mehr oder weniger spurlos (Beispiel Riehen, Freiburg?)
Diese „Reduzierung“ von Einrichtungen trifft zusammen mit der gesteigerten Nachfrage von Seiten der Protagonistinnen der Neuen Frauenbewegung nach Orten für ihre Nachlässe – der Bedarf wird also nicht kleiner sondern eher größer.

Es scheint ein Prozess der Ausdifferenzierung im Gange zu sein, dessen Hauptursache tatsächlicher oder vorgeblicher Geldmangel der Kommunen und Länder ist. Dieser Entwicklung müssen wir uns dringend stellen und zwar nicht nur als einzelne Einrichtungen vor Ort (da tun wir es zwangsläufig, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt), sondern gemeinsam.

Es gilt zu analysieren: Wo wurde was warum geschlossen? Wen trifft es, wen trifft es nicht? Liegt es immer an der falschen Regierungspartei? Sind Geld- und Nachwuchsmangel wirklich alles oder gibt es weitere Gründe für den Rückgang? Sind alles spezielle Einzelfälle oder lassen sich strukturelle Merkmale erkennen?

Es gilt Folgen abzusehen: Wohin führt die Entwicklung? Wird es zu einer Konzentration des feministischen IuD-Wesens auf wenige Einrichtungen kommen, die wir eigentlich nicht wollten (Stichworte: Dezentralisierung, regionale Bezüge, Vielfältigkeit …)? Oder lösen sich irgendwann alle auf oder gehen in allgemeine Einrichtungen ein und das feministische IuD-Wesen wird zu einer historischen Besonderheit weniger Jahrzehnte am Ende des 20. Jahrhunderts?

Es gilt zu reagieren: Es ist das alte Problem: alle Kräfte gehen für die Arbeit vor Ort drauf, für die gemeinsame Ebene bleibt nichts mehr. Diese Kräftekonstellation wird sich zweifellos weiter verschärfen, dennoch ist unsere einzige Chance, uns zusammenzusetzen und gemeinsame Ziele und Strategien zu entwickeln, wenn wir die Zukunft des feministischen IuD-Wesens gemeinsam gestalten wollen.
Wir wollen mit dieser Diskussion beim Archivetreffen 2003 in Wien anfangen. Darüber hinaus schlagen wir vor, das Archivetreffen in Kassel 2004 schwerpunktmäßig unter dieses Thema zu stellen.

Kontakt: Cornelia Wenzel, Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel

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Abstracts der Vorträge

Digitalisierung von Frauengeschichte – ein neuer Zweig der frauenspezifischen Information und Dokumentation etabliert sich in Europa
Christa Bittermann-Wille & Helga Hofmann-Weinberger, Ariadne/ÖNB, Wien

Im ersten Teil möchten wir das Digitalisierungsprojekt von Ariadne, Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) vorstellen. Ariadne arbeitet an einem digitalen Archiv, genannt „Frauen in Bewe-gung, Diskurse und Dokumente der österreichischen historischen Frauenbewegung, 1848—1918“, in dem Dokumente aus der Österreichischen Nationalbibliothek in ihrer ideologischen Vielfalt dokumentarisch aufbereitet, gespeichert und online abrufbar gemacht werden. Es wurden Daten, Fakten und Materialien gesichtet und zusammengetragen und über ein Web-Portal zugänglich gemacht. Ausgewählte Dokumente, in denen sich die Diskurse zur Frauenfrage exemplarisch darstellen, werden digitalisiert und im Volltext einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Im zweiten Teil werden wir europäische Beispiele von Digitalisierungsprojekten, die bei der Konferenz „Gender and Power in the New Europe, 5th European Feminist Research Conference, 19—24 August 2003, Lund, Sweden“, präsentiert wurden, vorstellen.

Der UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (Genf 2003). Herausforderungen und Grenzen für das frauenorientierte Informationswesen aus österreichischer Perspektive im internationalen Vergleich. Christina Buder, frida u. Frauensolidarität, Wien

Die Informationsgesellschaft und ihre Ausgestaltung ist das Thema des UN World Summit on the Information Society, der im Dezember 2003 in Genf stattfindet. Frauen in aller Welt bemühen sich, eine Genderperspektive einzubringen – nicht leicht, wenn v. a. Informations- und Kommunikationstechnologieunternehmen das Sagen haben. Der WSIS betrifft uns als Informationseinrichtungen, als feministische Medien und als feministische IKT-Expertinnen. Welche Themen des WSIS sind besonders wichtig für Frauen, welche Positionen werden von Feministinnen vertreten und wie verschaffen sie sich Gehör? Die Informationsgesellschaft hat mehr zu bieten als Internet und Microsoft.

Plenums-Kurzvortrag: Fundraisingprojekt „book a book“. Joëlle Schwinnen, Cid-femmes, Luxemburg

„book a book“ ist ein großes Bücherprojekt mit dem das Cid-femmes durch Spenden 1001 neue Bücher für die Bibliothek erwerben möchte. Darüber hinaus ist „book a book“ eine öffentlichkeitswirksame Aktion, die es erlaubt die Aktivitäten des Cid sowie die Bibliothek bekannter zu machen.

  • Projektbeschreibung
  • Vorbereitungen und technische Umsetzung
  • Öffentlichkeitsarbeit, Zielgruppenbestimmung
  • Firmensponsoring
  • Evaluation

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